Nachwuchs: So stellen wir uns Kirche vor!

„Unser Traum von Kirche“ - so wollen wir miteinander arbeiten

Große Teile des kirchlichen Nachwuchses blicken mit Sorge auf die Kirche, in der sie vorhaben ihr Berufsleben zu verbringen und ihre Berufung zu leben. Die Frustration beginnt bei vielen spätestens während des ersten Praktikums. Vielerorts scheint lediglich der Rückbau verwaltet zu werden, anstatt nach zukunftsfähigen Gemeindeformen zu suchen.   

Im Umfeld der Creativen Kirche hat sich daher ein Teil des professionellen Nachwuchses – angehende Pfarrer/innen, Gemeindepädagog/innen und Musiker/innen – gesammelt, um neue Wege zu beschreiten. (Der Einfachheit halber fassen wir die Gruppe der Jugendreferent/innen, Diakon/innen und Gemeindereferent/innen unter „Pädagog/innen“ zusammen.)

Sie sind motiviert und glauben an eine lebendige Kirche, die auch unter den derzeitigen und den zu erwartenden Bedingungen imstande ist, sich positiv zu entwickeln.

Gemeinsam haben sie ein Modell der Gemeinde entwickelt, in der sie gerne ihren geistlichen Dienst tun würden. Wir glauben als Creative Kirche, dass dieser Ansatz für viele Gemeinden ein Gewinn wäre, und dass er helfen kann, den hauptberuflichen Gemeindedienst wieder attraktiver werden zu lassen. Das Modell sieht eine multiprofessionelle Dienstgemeinschaft, eine zentrale Bedeutung des Ehrenamtes, eine Fokussierung auf Mission und ein hybrides Finanzierungkonzept vor.

 

1. Die geistlich-theologische Ausrichtung der Gemeinde: Mission als ihr eigentlicher Sinn und Auftrag

Jesus Christus hat seiner Gemeinde einen Auftrag gegeben: „Darum geht zu allen Völkern und macht die Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Und seid gewiss: Ich bin jeden Tag bei euch, bis zum Ende der Welt.“ (Mt. 28,19-20). Dieser Auftrag unterscheidet die Kirche von allen anderen Formen des Gemein- und Vereinswesens, er ist das Ziel und das Zentrum jeder gemeindlichen Arbeit. Er bildet ebenso die Mitte der kooperativen Arbeit zwischen den Professionen und ermöglicht auf diese Weise die Einheit der Gemeindeleitung sowie aller gemeindlichen Arbeitsgruppen und Akteure: „Wir [sollen] in einem Geist der Liebe an der Wahrheit festhalten, damit wir im Glauben wachsen und in jeder Hinsicht mehr und mehr dem ähnlich werden, der das Haupt ist, Christus.“ (Eph. 4,15).

2. Ein neues Verständnis von Gemeindeleitung: Die interprofessionelle Dienstgemeinschaft als Kern der Gemeindeleitung

Pfarrer/innen, Pädagog/innen und Musiker/innen arbeiten kooperativ in einem interprofessionellen Team. Idealerweise bilden drei Personen mit jeweils einer vollen Stelle ein Gemeindeteam. Unter dem Vorsitz der Pfarrperson bilden sie gemeinsam die Dienstgemeinschaft auf Augenhöhe und fungieren so als ‚innerer Kreis‘ der Gemeindeleitung sowie fester Bestandteil des Presbyteriums. Auch die musikalische und die pädagogische Fachkraft bekommen Sitz und Stimme im Presbyterium. So wird der pädagogische und musikalische professionelle Dienst in der Gemeinde aufgewertet und die Pfarrzentrierung zum Wohle aller Beteiligten stark abgemildert. Die Pfarrperson kann zu einem größeren Anteil tun, wofür sie ausgebildet wurde und die Gemeinde bekommt ein vielseitiges hauptamtliches Team, das verschiedene Arbeitsbereiche versorgt. Jede/r Hauptamtliche hat seinen Platz, wird geachtet und leistet einen wichtigen Beitrag für die Gemeinde. Die schlicht absurde Nichtbeachtung aller hauptamtlichen „Nichtpfarrer/innen“ in der Gemeindeleitung wird beendet. Diese immer noch verbreitete Praxis schadet der Gemeinde und vergiftet das Verhältnis der Professionen zueinander. Auch das Pfarramt profitiert von dieser Veränderung ungemein. Die Pfarrperson bekommt eine viel angenehmere Rolle innerhalb der Dienstgemeinschaft, weil sie nicht länger als Personifikation eines nicht mehr zeitgemäßen und dienlichen Gemeindemodells herhalten muss.[1]

Wir freuen uns sehr, dass die EKvW bereits beschlossen hat, künftig auch in der Breite IPTs zu ermöglichen und zu fördern. Wir hätten gern einen noch größeren Anteil an musikalischer und pädagogischer Fachkraft im Team. Aus unserer Sicht spricht nur die zu erwartende recht hohe Anzahl an Kasualien dagegen. Dieses Thema sehen wir aber nicht allein bei der Pfarrperson. Auch die anderen beiden Professionen können nach entsprechender Zusatzqualifikation z.B. Beerdigungen übernehmen.

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[1] Das Thema KiTa ist für uns noch offen. Ob die Leitung Teil der Dienstgemeinschaft sein sollte hängt u.E. davon ob, wie eng die Verzahnungen von KiTa und Gemeindeleben ist und sein soll.

3. Die neue (ursprüngliche) Bedeutung des Ehrenamts

Bereits aus den 80er Jahren stammt die Erkenntnis, dass lebendige, wachsende Gemeinden auch in der Landeskirche aus befähigten Ehrenamtlichen bestehen[2]. Allen Hauptamtlichen kommt daher in erster Linie die Aufgabe der Zurüstung des Ehrenamts zu. Im Epheserbrief finden wir ebendiesen Auftrag unmissverständlich formuliert:[3] „[Gott] hat [der Gemeinde] die Apostel gegeben, die Propheten, die Evangelisten, die Hirten und Lehrer. Sie haben die Aufgabe, diejenigen, die zu Gottes heiligem Volk gehören, für ihren Dienst auszurüsten, damit ´die Gemeinde`, der Leib von Christus, aufgebaut wird.“ (Eph. 4,11-12). Ein ‚befähigtes‘ Ehrenamt bringt selbstständige, kompetente und geistlich klar ausgerichtete Arbeitsgruppen/Teams sowie weitere Leitungspersönlichkeiten hervor, die gut mit der Dienstgemeinschaft vernetzt sind.

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[2] Vgl. z.B. Michael Herbst, Missionarischer Gemeindeaufbau in der Volkskirche, Neukirchener 2010 (1.Auflage: 1987).

[3] Die Professionen lassen sich nicht eins zu eins den hier genannten Ämtern zuordnen. Der Grundgedanke „das Hauptamt zur Zurüstung des Ehrenamtes“ lässt sich trotzdem übertragen.  

4. Finanzierungskonzept

Das bereits beschlossene Konzept der IPTs in der EKvW sieht vor, dass künftig eine Personalstelle im Team pro 3000 Gemeindemitglieder zur Verfügung steht. Allerdings soll es maximal 5000 Gemeindeglieder pro Pfarrstelle geben, um die Pfarrpersonen nicht zu überlasten. Unser Konzept würde also bei 9000 Gemeindegliedern ohne Kompromisse funktionieren, wenn die Kasualien nicht allein bei der Pfarrperson liegen. Wir stellen uns das IPT als Dienstgemeinschaft vor. Sie prägt, leitet und trägt die Gemeinde gemeinsam. Außerdem können auch in der Kasualversorgung Ehrenamtliche nach einer Ausbildung eingesetzt werden (Prädikant/innen). Hinzu kommen noch die Emeriti, von denen es demnächst deutlich mehr geben wird.  

Aus unserer Sicht sollte die Gemeinde von morgen nicht in erster Linie am Personal sparen, sondern sehr ergebnisoffen prüfen, welche Immobilien wirklich noch benötigt werden und wovon man sich möglichst gewinnbringend trennen kann. „Unser Traum von Kirche“ findet konzentriert an einem Ort statt und wird nicht aufgeteilt auf verschiedene Kirchen/ Gemeindezentren.

Das genutzte Gebäude sollte sich wirtschaftlich auch langfristig halten lassen. (Eine Gemeinde, Ein Zentrum, Ein Team). Außerdem wird transparent in die Gemeinde kommuniziert, dass die Gemeinde auch von Spenden lebt und künftig immer substanzieller auf diese angewiesen sein wird. Wie in fast jedem Land auf der Welt wird die Gemeinde auch hier in den nächsten Jahrzehnten mehr und mehr von Spenden leben und so ein geringeres Kirchensteueraufkommen kompensieren oder sogar überkompensieren. Diese Entwicklung von Kirchensteuerfinanzierung hin zu immer mehr Spendenfinanzierung ist herausfordernd aber letztlich auch geistlich ein Gewinn.

 

Ist unser Traum von Kirche auch dein Traum von Kirche?

Bist du Presbyter/in, Superintendent/in, interessiertes Gemeindemitglied oder gehörst du zum professionellen kirchlichen Nachwuchs? Dann schreib uns an: Wir bringen interessierte Gemeinden, Presbyterien, Superintendent/innen und kirchlich-professionellen Nachwuchs zusammen.

 

 

Anprechpartner: Daniel Hobe, Pfarrer der Gemeinde Creative Kirche

E-Mail: daniel.hobe@creative-kirche.de